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03 · Korpus und Quellen

Dokument-Graph

Ein Dokument-Graph modelliert Quellen als Netz aus Dokumenten, Abschnitten, Chunks, Claims, Erwähnungen und Belegen. Er macht sichtbar, woher eine Aussage stammt und welche Textstellen zusammengehören.

Lernziel

Du lernst, wie klassisches RAG durch eine dokumentnahe Graphstruktur nachvollziehbarer wird und warum Belege getrennt von Interpretation bleiben müssen.

Wann dieser Graph-Typ grundsätzlich hilft

  • Wenn Antworten überprüfbare Fundstellen und Quellenbezug brauchen.
  • Wenn lange oder viele Dokumente in stabile, zitierbare Einheiten zerlegt werden sollen.
  • Wenn Retrieval nicht nur Textähnlichkeit, sondern Dokumentstruktur berücksichtigen soll.

Was typischerweise im Graph ist

  • Dokumente, Kapitel, Abschnitte, Chunks, Tabellen, Claims und Erwähnungen.
  • Beziehungen wie enthält, erwähnt, stützt, widerspricht oder verweist auf.
  • Metadaten wie Quelle, Version, Sprache, Autor, Datum und Position im Dokument.

Wofür das LLM diesen Graph nutzt

  • Das LLM bekommt ausgewählte Textstellen mit Quellenstruktur.
  • Es trennt belegte Aussage und Interpretation.
  • Es kann erklären, welche Fundstelle welchen Antwortbaustein stützt.

Typisches Risiko

Der Dokument-Graph wird mit fachlicher Wahrheit verwechselt.

EU-AI-Act-Beispiel

Welche Textstellen stützen die Antwort zur Launch-Freigabe?

Simulation

Auf diese Demo angewendet

Ein Dokument-Graph erschließt den offiziellen EU-AI-Act-Text als Quellenstruktur. Er macht sichtbar, welche Artikel, Absätze, Erwägungsgründe und Claims eine Antwort tatsächlich stützen.

EU-AI-Act-spezifisch

  • Wenn eine Antwort überprüfbare Fundstellen braucht.
  • Wenn lange Gesetzestexte in zitierbare Einheiten zerlegt werden sollen.
  • Wenn Claims aus Textstellen extrahiert und im Prompt kontrolliert verwendet werden sollen.

Blick in den Maschinenraum

Die Blackbox als Trace geöffnet

Das ist der didaktische Kern: Aus Nutzereingabe werden System-Intent, Graphkontext, LLM-Kontext und schließlich eine Antwort.

Trace
  • User

    Belegfrage für eine konkrete Pflicht

    Welche Textstellen stützen die Aussage, dass wir eine Konformitätsbewertung brauchen?

    Benötigt: Artikel, Absatz, Claim mit Belegbezug

  • System

    Quellenfrage – Beleg vor Deutung

    Vorgehen: Dokumentnetz traversieren, Claims mit Fundstelle laden. Keine Interpretation ohne Quellenanker.

    Intent: zitierfähiges Retrieval, Beleg und Einordnung trennen

  • Graph

    Dokumentpfad über zwei Knoten

    EU AI Act →enthält→ Art. 43 Abs. 1 [Claim: 'Anbieter müssen vor Inverkehrbringen Konformitätsbewertung durchführen']. Anhang III Nr. 5b [Claim: 'Kreditwürdigkeitsprüfung = Hochrisiko']. Erwägungsgrund 48 [Kontext, keine Rechtsgrundlage].

    Dokumentpfad: Anhang III → Klassifizierung → Art. 43 → Pflicht

  • LLM

    Zitatnähe halten, Deutung markieren

    Claims mit Fundstelle empfangen. Anweisung: Beleg und Interpretation trennen. Nur aus vorliegenden Dokumentknoten zitieren. Über den Dokumentinhalt hinausgehende Aussagen kennzeichnen.

    Prompt-Constraint: Claim, Fundstelle und Einordnung getrennt ausgeben

  • LLM

    Zitierfähige Antwort mit Quellenangabe

    Art. 43 Abs. 1 verpflichtet explizit zur Konformitätsbewertung vor Markteinführung. Grundlage: Anhang III Nr. 5b klassifiziert Kreditwürdigkeit als Hochrisiko. Erwägungsgrund 48 liefert Kontext, ist aber keine Rechtsgrundlage – das ist ein wichtiger Unterschied.

    Whitebox: Anhang III → Klassifizierung → Art. 43 → Pflicht, mit Zitat

Interaktionsmodell

Was der User macht, was im Graph ist, was das LLM macht

Wichtig ist nicht nur der sichtbare Graph. Der Lerneffekt entsteht, wenn sichtbar wird, wie Nutzerintention, Graphkontext und LLM-Synthese zusammenwirken.

Eingabe und Steuerung

User

Belegfrage stellen

Der Nutzer fragt nach Fundstellen, Claims oder Abschnitten, die eine Launch-Aussage stützen.

Quelle eingrenzen

Er kann Sprache, Dokumentversion, Artikelbereich oder Thema eingrenzen.

Zitate prüfen

Der Nutzer schaut, ob Antwort und Fundstelle wirklich zusammenpassen.

Strukturierter Kontext

Graph

Dokumentstruktur

Der Graph enthält Dokument, Kapitel, Artikel, Absatz, Erwägungsgrund und extrahierte Claims.

Quellenkanten

Kanten zeigen, welcher Claim aus welchem Absatz stammt und welche Abschnitte thematisch zusammenhängen.

Retrieval-Einheiten

Chunks sind nicht lose Textstücke, sondern liegen in ihrer Dokumentposition und Belegbeziehung.

Synthese und Sprache

LLM

Textstellen auswählen

Das LLM bekommt nicht den kompletten AI Act, sondern nur passende Artikel, Claims und Quellenanker.

Beleg und Deutung trennen

Es formuliert, was die Quelle sagt, und markiert, welche Interpretation daraus abgeleitet wird.

Antwort zitierfähig machen

Jede relevante Aussage wird auf Dokumentknoten und Fundstellen zurückgeführt.

Sichtbarer Ablauf

Wie das LLM mit dem Graph interagiert

Dialog
  • User

    Auf welche Artikel stütze ich mich, wenn ich sagen will, dass unser Kreditscoring-System eine Konformitätsbewertung braucht?

  • Graph

    EU AI Act →enthält→ Art. 43 [Konformitätsbewertung, Abs. 1–3] ←stützt← Anhang III Nr. 5b [Kreditwürdigkeit = Hochrisiko]. Erwägungsgrund 48 [Kontext]. Art. 9 →verweist auf→ Art. 43.

  • LLM

    Die Pflicht kommt aus Art. 43 Abs. 1, die Grundlage ist Anhang III Nr. 5b – Kreditwürdigkeitsprüfungen stehen dort ausdrücklich. Erwägungsgrund 48 liefert Kontext, ist aber keine Rechtsgrundlage. Wichtig: Anhang III klassifiziert, Art. 43 verpflichtet – ihr braucht beides.

  • User

    Gibt es Textstellen, die genauer definieren, ab wann ein System wirklich unter Anhang III fällt?

Prompt-Paket

Was ins LLM-Kontextfenster geht

  • Nutzerfrage und gewünschte Belegform
  • Relevante Artikel und Absätze
  • Extrahierte Claims mit Quellenanker
  • Hinweise auf verwandte Erwägungsgründe
  • Regel, Beleg und Interpretation getrennt auszugeben

Das LLM durchsucht nicht den gesamten Graph. Es bekommt ein ausgewähltes, strukturiertes Kontextpaket und muss innerhalb dieser Grenze antworten.

Observation

Die simulierten Zwischenschritte

1

Quelle schneiden

PDF und XHTML werden in stabile Einheiten wie Artikel, Absätze und Claims zerlegt.

Der Nutzer sieht, welche Textstellen wirklich in der Antwort stecken.

2

Claims extrahieren

Aus relevanten Absätzen entstehen prüfbare Aussagen statt lose Textblöcke.

Die Simulation kann Claim, Fundstelle und Antwortbaustein getrennt anzeigen.

3

Kontext paketieren

Nur ausgewählte Claims und Fundstellen wandern in den Prompt.

Das macht sichtbar, wie klassisches RAG durch Graph-Struktur kontrollierbarer wird.