Belegfrage stellen
Der Nutzer fragt nach Fundstellen, Claims oder Abschnitten, die eine Launch-Aussage stützen.
03 · Korpus und Quellen
Ein Dokument-Graph modelliert Quellen als Netz aus Dokumenten, Abschnitten, Chunks, Claims, Erwähnungen und Belegen. Er macht sichtbar, woher eine Aussage stammt und welche Textstellen zusammengehören.
Lernziel
Du lernst, wie klassisches RAG durch eine dokumentnahe Graphstruktur nachvollziehbarer wird und warum Belege getrennt von Interpretation bleiben müssen.
Der Dokument-Graph wird mit fachlicher Wahrheit verwechselt.
EU-AI-Act-Beispiel
Ein Dokument-Graph erschließt den offiziellen EU-AI-Act-Text als Quellenstruktur. Er macht sichtbar, welche Artikel, Absätze, Erwägungsgründe und Claims eine Antwort tatsächlich stützen.
Blick in den Maschinenraum
Das ist der didaktische Kern: Aus Nutzereingabe werden System-Intent, Graphkontext, LLM-Kontext und schließlich eine Antwort.
Belegfrage für eine konkrete Pflicht
Welche Textstellen stützen die Aussage, dass wir eine Konformitätsbewertung brauchen?
Benötigt: Artikel, Absatz, Claim mit Belegbezug
Quellenfrage – Beleg vor Deutung
Vorgehen: Dokumentnetz traversieren, Claims mit Fundstelle laden. Keine Interpretation ohne Quellenanker.
Intent: zitierfähiges Retrieval, Beleg und Einordnung trennen
Dokumentpfad über zwei Knoten
EU AI Act →enthält→ Art. 43 Abs. 1 [Claim: 'Anbieter müssen vor Inverkehrbringen Konformitätsbewertung durchführen']. Anhang III Nr. 5b [Claim: 'Kreditwürdigkeitsprüfung = Hochrisiko']. Erwägungsgrund 48 [Kontext, keine Rechtsgrundlage].
Dokumentpfad: Anhang III → Klassifizierung → Art. 43 → Pflicht
Zitatnähe halten, Deutung markieren
Claims mit Fundstelle empfangen. Anweisung: Beleg und Interpretation trennen. Nur aus vorliegenden Dokumentknoten zitieren. Über den Dokumentinhalt hinausgehende Aussagen kennzeichnen.
Prompt-Constraint: Claim, Fundstelle und Einordnung getrennt ausgeben
Zitierfähige Antwort mit Quellenangabe
Art. 43 Abs. 1 verpflichtet explizit zur Konformitätsbewertung vor Markteinführung. Grundlage: Anhang III Nr. 5b klassifiziert Kreditwürdigkeit als Hochrisiko. Erwägungsgrund 48 liefert Kontext, ist aber keine Rechtsgrundlage – das ist ein wichtiger Unterschied.
Whitebox: Anhang III → Klassifizierung → Art. 43 → Pflicht, mit Zitat
Interaktionsmodell
Wichtig ist nicht nur der sichtbare Graph. Der Lerneffekt entsteht, wenn sichtbar wird, wie Nutzerintention, Graphkontext und LLM-Synthese zusammenwirken.
Eingabe und Steuerung
Der Nutzer fragt nach Fundstellen, Claims oder Abschnitten, die eine Launch-Aussage stützen.
Er kann Sprache, Dokumentversion, Artikelbereich oder Thema eingrenzen.
Der Nutzer schaut, ob Antwort und Fundstelle wirklich zusammenpassen.
Strukturierter Kontext
Der Graph enthält Dokument, Kapitel, Artikel, Absatz, Erwägungsgrund und extrahierte Claims.
Kanten zeigen, welcher Claim aus welchem Absatz stammt und welche Abschnitte thematisch zusammenhängen.
Chunks sind nicht lose Textstücke, sondern liegen in ihrer Dokumentposition und Belegbeziehung.
Synthese und Sprache
Das LLM bekommt nicht den kompletten AI Act, sondern nur passende Artikel, Claims und Quellenanker.
Es formuliert, was die Quelle sagt, und markiert, welche Interpretation daraus abgeleitet wird.
Jede relevante Aussage wird auf Dokumentknoten und Fundstellen zurückgeführt.
Sichtbarer Ablauf
Auf welche Artikel stütze ich mich, wenn ich sagen will, dass unser Kreditscoring-System eine Konformitätsbewertung braucht?
EU AI Act →enthält→ Art. 43 [Konformitätsbewertung, Abs. 1–3] ←stützt← Anhang III Nr. 5b [Kreditwürdigkeit = Hochrisiko]. Erwägungsgrund 48 [Kontext]. Art. 9 →verweist auf→ Art. 43.
Die Pflicht kommt aus Art. 43 Abs. 1, die Grundlage ist Anhang III Nr. 5b – Kreditwürdigkeitsprüfungen stehen dort ausdrücklich. Erwägungsgrund 48 liefert Kontext, ist aber keine Rechtsgrundlage. Wichtig: Anhang III klassifiziert, Art. 43 verpflichtet – ihr braucht beides.
Gibt es Textstellen, die genauer definieren, ab wann ein System wirklich unter Anhang III fällt?
Prompt-Paket
Das LLM durchsucht nicht den gesamten Graph. Es bekommt ein ausgewähltes, strukturiertes Kontextpaket und muss innerhalb dieser Grenze antworten.
Observation
PDF und XHTML werden in stabile Einheiten wie Artikel, Absätze und Claims zerlegt.
Der Nutzer sieht, welche Textstellen wirklich in der Antwort stecken.
Aus relevanten Absätzen entstehen prüfbare Aussagen statt lose Textblöcke.
Die Simulation kann Claim, Fundstelle und Antwortbaustein getrennt anzeigen.
Nur ausgewählte Claims und Fundstellen wandern in den Prompt.
Das macht sichtbar, wie klassisches RAG durch Graph-Struktur kontrollierbarer wird.